Archiv für Januar 2014

Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte IV

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (15.01.2014) mit vier veröffentlichten Kommentaren

Ein weiterer Kommentar kommt nun zu den zensierten Kommentaren hinzu:

„Im ersten Teil diese Berichtes wird aufgezeigt, dass die Grünen damals erkannten, was von politisch Aktiven verlangt wurde und im Volk eine
gewachsene gesellschaftliche Akzeptanz fand.

Doch: „“Mitte der Achtzigerjahre setzte sich die Sichtweise, dass es keinen einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern geben könnte, endgültig durch.“

Eine neue „Sichtweise“ also, die „endgültig“ sein soll.

Anstatt darüber zu streiten, wer damals bei den Grünen was vertreten hat, sollte ein Herr Walter besser untersuchen, weshalb sich Mitte der Achtzigerjahre eine andere Sichtweise durchsetzte und aufzeigen, ob sich diese durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse durchsetzte oder nicht eher durch eine still geduldete Machtübernahme durch ideologisch agierende selbsternannte Kinderschützer/innen, die Kindern Rechte der Selbstbestimmung wegnahm, ohne sie zu fragen, ob ihnen das passt. Er würde zum Resultat kommen, dass diese „Sichtweise“ bis heute unkritisch und bar jeder wissenschaftlichen Grundlage nur deshalb immer noch gilt und alles „endgültig“ geregelt zu sein scheint, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“

Hier könnte man vielleicht inhaltlich kritisieren, dass niemand Kindern Rechte der Selbstbestimmung wegnehmen konnte einfach weil sie gar keine hatten. Aber irgendwelche Verstöße gegen die Netiquette sind hier zumindest für mich nicht erkennbar.

Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte III

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (9.01.2014) mit vier Kommentaren

Nachdem eine erste Antwort an die ansonsten alleinige Kommentatorin, mit etwas Verspätung, doch noch publiziert, und prompt auch wieder von der ansonsten alleinigen Kommentatorin beantwortet wurde, sind zwei Tage vergangen ohne weitere Kommentare.

Nein, da war noch eine Antwort, vom 7.01., die bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde:

Sie drehen die Begriffe beliebig. Mal reden Sie von sexueller Misshandlung mal von Missbrauch, auch mal von Vergewaltigung. Das sind aber unterschiedliche Sachverhalte und Straftatbestände. Wer kann sich denn heute besser in die Lebenswelt von Kindern hineinversetzen als damals. Warum beachtet niemand die Leute, die so wie ich, als Junge gewollten Sex erlebt und genossen haben. Schon im Alter von ca. 8-9 Jahren. Wer beachtet meine Lebenswelt als Kind? Warum soll Kindern nur geglaubt werden, wenn sie unter Sexualität gelitten haben und nicht wenn sie sie genossen haben?

Bei den Glaubwürdigkeitsgutachten (Link zur Ärztezeitung) ging es um die Glaubwürdigkeit von OPFERN, die Entschädigung beantragt haben – nicht um Beschuldigte einer Straftat. Lesen Sie mal richtig!

Sicher, diese Antwort ist vielleicht nicht so besonders zurückhaltend formuliert, er enthält ganz explizit Vorwürfe. Aber, wenn diese sachlich berechtigt sind, warum nicht? Die Kommentatorin verwendet in der Tat „Kindesmissbrauch“, welches nach Gesetz auch von Kindern gewollten Sex beinhaltet, und im selben Text „sexuelle Misshandlung“ sowie „pädosexuelle Übergriffe“, welche in der gewöhnlichen Bedeutung Gewalt oder Nötigung implizieren. Für Menschen wie den Autor, der selbst als Kind solchen Sex gewollt hat, ist dies natürlich etwas, worin er einen Grund für einen Vorwurf sehen kann.

Auch die Frage danach, wann man sich in die Lebenswelt von Kindern besser hat hineinversetzen können, ist gerechtfertigt.

… dass bei Teilen der damaligen Gesellschaft etwas fehlte. Nämlich die Fähigkeit, sich in die Lebenswelt von Kindern hineinzuversetzen …

suggeriert schließlich, dass wir das heute besser könnten, während die Welt heute unfähig zu sein scheint, sich in solche Kinder wie der Kommentator eins war überhaupt hineinzuversetzen.

Auch die harte Aufforderung „Lesen Sie mal richtig!“ ist nachvollziehbar, angesichts der Tatsache, dass durch

…Was Glaubhaftigkeitsgutachten angeht: … so sollten in Prozessen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs auch die Angeklagten gerichtsgutachterlich hinsichtlich der Plausibilität ihrer Angaben begutachtet werden….

suggeriert wurde, es ginge um die Glaubwürdigkeit von Angeklagten in Prozessen. Im zuvor vom zensierten Kommentator zitierten Beitrag http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/?sid=843063 ging es jedoch um die Glaubwürdigkeit von Opfern. Kann jeder dort nachlesen.

Also auch hier wurde nach meiner Einschätzung angemessen auf einen Kommentar geantwortet.

Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte II

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (6.01.2014) mit zwei Kommentaren einer einzigen Person.

Zensiert wurde eine Antwort zu einem ihrer Kommentare:

Die zensierte Antwort war die folgende:

@Angelika Oetken Was nach Gesetz schwerer Missbrauch ist und was von den Kindern als Missbrauch empfunden wird ist allerdings verschieden. Helweg-Larsen & Larsen 2006 fanden beispielsweise: Von 5829 dänischen Jugendlichen hatten 11% illegale sexuelle Erlebnisse, 7% der Jungs und 16% der Mädchen, aber nur 1% der Jungs und 4% der Mädchen fühlte sich „definitiv“ oder „möglicherweise“ sexuell missbraucht. (K. Helweg-Larsen, H.B. Larsen, The prevalence of unwanted and unlawful sexual experiences reported by Danish adolescents: results from a national youth survey in 2002, Acta Paediatrica 11/2006; 95(10):1270-6
http://onlinelibrary…589033/abstract )

Da fragt man sich wirklich, warum so etwas zensiert wird. Im wesentlichen eine Übersetzung des Abstrakts eines wissenschaftlichen Artikels, mit Verweis auf eine etablierte Wissenschaftsseite, die genau dafür da ist.

War sie vielleicht vom Kontext her völlig daneben? Im beantworteten Kommentar hieß es:


Die einzige prominente Grünen-Mitglied, das sich als Missbrauchsopfer geoutet hat, war im September 2012 Marieluise Beck. Im katholischen Führungskader gibt es bis heute offiziell kein einziges Missbrauchsopfer.

In einer Partei mit 60 000 Leuten in der Kartei, muss es aber mindestens 2000 Personen geben, die im Kindesalter sexuelle Attacken erlebt haben, die strafrechtlich als „schwer“ gelten. Und das sind nur die niedrigsten wissenschaftlich ermittelten Zahlen. Als „schwerer Missbrauch“ gilt das, was als „beischlafähnliche Handlungen“ gewertet wird. Diese Menschen waren als Kinder also „richtigem“ Sex ausgesetzt. …

Der Bezug der Antwort zu diesem Kommentar ist offensichtlich. Verwiesen wird auf eine wissenschaftliche Arbeit, die sich auf ähnliches bezieht: Einerseits Erlebnisse von illegalen sexuellen Handlungen, andererseits das persönliche Gefühl, missbraucht worden zu sein, und die Gruppe mit diesem Gefühl ist erheblich kleiner. Dies ist erklärt zumindest teilweise die Differenz, auf die im Kommentar hingewiesen wurde.

Offenbar sind Kommentare mit wissenschaftlichen Informationen nur dann in der taz erlaubt, wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse selbst in die Ideologie der taz passen. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (3.01.2014) ganz ohne Kommentare.

Zensiert wurden folgende Kommentare:

Fehlgeleitet ist die Debatte natürlich. Schon seit Jahren, spätestens seit der Dutroux-Hysterie, gibt es keine sachliche Diskussion zu den inhaltlichen Fragen mehr.

Dabei hat die Wissenschaft inzwischen Fortschritte gemacht. Das Dogma, sexueller Missbrauch sei die Ursache so ziemlich allen Übels, ist Vergangenheit, man hat erkannt, dass vergleichbare Schäden auch durch körperliche und verbale Misshandlungen sowie Vernachlässigung hervorgerufen werden und studiert diese heutzutage gemeinsam – auch weil sie auch oft gemeinsam auftreten und in solchen Fällen noch schlimmere Folgen haben.

Auch hat man inzwischen wieder mitbekommen, dass die „kein Kind will sowas“-These einfach nur falsch ist.

In die Medien schaffen es solche Informationen aber nicht mehr.

sowie

„Mitte der Achtzigerjahre setzte sich die Sichtweise, dass es keinen einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern geben könnte, endgültig durch. Die Legalisierungs-Forderungen verschwanden allmählich aus den grünen Programmen und die bekennenden Päderasten, die vor allem für die eigene Straffreiheit kämpften, aus der grünen Partei.“

Aber es ging noch weiter. Nicht nur die Sichtweise, dass es keinen einvernehmlichen Sex zwischen Erwachsenen und Kindern geben könnte, setzte sich durch, obwohl es eine Reihe logischer Gegenargumennte gab und gibt. Alle, die eine andere Auffassung vertreten wollten oder vertraten, wurden diffamiert und diskriminiert. Oder als Pädophile verunglimpft, weil dieser Begriff sich zum Schimpfwort wandelte.

Eine offene und tabulose Diskussion wurde gezielt verunmöglicht und sogar zensiert. Am Liebsten hätten die feministischen Jakobiner*innen auch noch die Meinungsfreiheit unterbunden. Niemand sollte mehr ihre Doktrin vom „absoluten sexuellen Missbrauch“ infrage stellen können. Die Grundlage zur Kinderschänderhysterie der Neo-Nazis war gelegt. Die das Thema nur aufzugreifen brauchten, um die Todesstrafe zu fordern.

Eine Differenzierung zwischen Vergewaltigung und Missbrauch (das sind unterschiedliche Straftatbestände) sollte grundsätzlich nicht mehr gemacht werden. Eine rationale Kriminalpolitik wurde weggeschoben zugunsten einer ‚neuen Straflust‘, wie der Kriminologe Prof. Fritz Sack später schrieb.
Bei den GRÜNEN sind inzwischen die Missbrauchsideologen unter sich. Mit Kritik und Widerspruch brauchen sie sich schon lange nicht mehr zu befassen.

Bei den Schwarzer-Feministen gilt inzwischen bereits einvernehmliche Prostitution als „sexueller Missbrauch“, dessen strafrechtliche Verfolgung angestrebt wird. Heterosexualität gilt bald schon als „Gewalt gegen Frauen“. Wer etwas anderes anführt, muss mit Demagogie und Verhetzung rechnen. Die ’schönste Nebensache der Welt‘ wird zum Kampfplatz ideologischer Auseinandersetzungen, wobei die ideologischen Sexual-Verbote mit dem Strafgesetz allen Bürgerinnen und Bürgern aufgezwungen werden soll. Konkrete Schadensnachweise sind dabei vollkommen unbeachtlich. Rechtsstaatliche Grundsätz, wie die Unschuldsvermutung, werden zunehmend außer Kraft gesetzt. Das deutsche Sexualstrafrecht wird über UNO- und EU-Verordnungen immer stärker an das US-Amerikanische angepasst.

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Allerdings, das Recht zu haben ist das eine. Wenn man eine Netiquette für die Kommentare aufstellt, geht man dabei allerdings implizit auch eine moralische Verpflichtung ein – nämlich die, nur solche Kommentare zu löschen, die gegen die Netiquette verstoßen. Löscht man hingegen auch Kommentare, die nicht gegen die Netiquette verstoßen, ist dies zwar rechtlich gesehen erlaubt, moralisch jedoch zumindest höchst zweifelhaft.

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Denn dies beschädigt etwas, was die Kommentare von Online-Zeitungen zu einer hochinteressanten Ergänzung der Artikel selbst machen: Zunehmend enthalten Kommentare Informationen, die in den Artikeln selbst fehlen. Ich kenne schon mehrere Leute, die die Kommentare oft für interessanter halten als die Artikel selbst, einfach weil sich dort die eigentlich interessanten Informationen und Links finden würden.

Solche sachlichen Korrekturen zuzulassen sollte eine Qualitätszeitung sich auf jeden Fall leisten können. Wo immer sie in den Kommentaren Informationen finden, die sich eigentlich im Artikel selbst hätten finden müssen, lernen auch die Journalisten hinzu. Das nächste Mal wird es bei ihnen nicht mehr vorkommen. Und der Leser gewinnt erst recht – selbst wenn die Journalisten in ihren Artikeln wichtige Informationen nicht bringen, werden die dann in den Kommentaren doch vorgebracht.

Dies wird aber zerstört, wenn inhaltlich zensiert wird, wenn Beiträge, seien sie auch noch so sachlich und informativ, mit Belegen und Links versehen, zensiert werden, nur weil der politische Standpunkt des Kommentators der Redaktion nicht genehm ist. In diesem Fall spielt die Moderation dann die verachtenswerte Rolle eines Zensors, der verhindern will, dass die Leser der Zeitung an bestimmte Informationen herankommen – und dies nicht deswegen, weil diese Informationen falsch sind, sondern weil sie nicht in die politische Linie der Zensoren passen.

Die Idee, zensierte Kommentare auf einem Blog zu veröffentlichen, schwebt schon länger durch die Gegend, und es wurde nun einfach mal Zeit, dies auch zu realisieren. Hat man diese Entscheidung einmal getroffen, ist es eine Frage des Zufalls, welche Zeitung es als erstes trifft. Wir beginnen daher mit der taz, nachdem dort ein durchaus diskussionswürdiger Artikel scheinbar ganz ohne Kommentar geblieben ist. Für die Kommentare zu diesem Artikel musste man halt einen Blog anlegen.

Die Prinzipien

Wir akzeptieren das Hausrecht der taz und ihre Netiquette. Veröffentlicht werden Kommentare, die nach Meinung des Betreibers dieses Blogs nicht gegen diese Netiquette verstoßen. Solche Kommentare sollten per email an lobov@safe-mail.net gesendet werden. Sie sollten folgendes enthalten: einen Link zum Artikel, zu dem der Kommentar geschrieben wurde, sowie den Text des Kommentars. Sollte der Kommentar eine Reaktion auf einen anderen Kommentar darstellen, so ist auch der Text des kommentierten Kommentars anzugeben.

Diejenigen, die ihren Kommentar unzensiert sahen, weil er erst später zensiert wurde, können gerne auch einen screenshot anhängen, ist aber nicht erforderlich.

Sollten es mal zu viele solcher Kommentare eingereicht werden, behalten wir uns vor, nur die krassesten Beispiele von politischer Zensur zu veröffentlichen – also die zensierten Kommentare, die am interessantesten, informativsten und wichtigsten als Zusatzsinformation zum Artikel selbst gewesen wären, und wo über das Fehlen eines Verstoßes gegen die Netiquette die wenigsten Zweifel bestehen.

Wie auch die Moderatoren, so müssen auch wir uns an bestehende Gesetze halten, wo Kommentare möglicherweise deswegen zensiert wurden, weil die Veröffentlichung die taz in rechtliche Schwierigkeiten bringen könnte, müssen wir auch passen – die taz kann sich bessere Rechtsanwälte leisten als wir.

Ansonsten geht es uns vor allem um die Fälle von Kommentarzensur, wo es nicht eine Frage der Abwägung ist, ob beleidigt wurde oder nicht, sondern wo inhaltliche, sachliche Informationen zensiert worden sind.

Wir hoffen, dass dieser Blog ein Misserfolg wird, weil die taz sich dazu entschließt, auf solche inhaltliche Zensur völlig zu verzichten. Dann bleibt uns mehr Zeit für andere Blogs, es gibt schließlich außer der taz noch andere Zeitungen.

Ansonsten informieren wir selbst die taz über jede Veröffentlichung auf diesem Blog durch eine mail an kommune@taz.de