Willkommen

Zeitungen haben heute online-Versionen, so auch die taz. Dort gibt es die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren. Eine durchaus wichtige Möglichkeit – wie nützlich sie praktisch ist, hängt aber stark von der Moderation ab.

Moderation ist bedauerlicherweise nötig, dank unseres Schulsystems gibt es viel zu viele Leute, die zwar Buchstaben eintippen können, aber sonst keinerlei Erziehung haben, und nicht einmal elementare Regeln der Höflichkeit beherrschen. In solchen Fällen muss eine Moderation eingreifen und für einen zivilisierten Ton sorgen. Die Regeln dazu finden sich für die taz in der Netiquette.

Natürlich gibt es auch darüber hinausgehende Möglichkeiten der Moderation. Wir bezweifeln nicht, dass die taz ein Hausrecht hat, und somit das Recht, auch beliebige Kommentare, egal ob sie der Netiquette entsprechen oder nicht, zu löschen.

Allerdings, das Recht zu haben ist das eine. Wenn man eine Netiquette für die Kommentare aufstellt, geht man dabei allerdings implizit auch eine moralische Verpflichtung ein – nämlich die, nur solche Kommentare zu löschen, die gegen die Netiquette verstoßen. Löscht man hingegen auch Kommentare, die nicht gegen die Netiquette verstoßen, ist dies zwar rechtlich gesehen erlaubt, moralisch jedoch zumindest höchst zweifelhaft.

Der eine oder andere Ausrutscher mag dabei in Kauf zu nehmen sein – ob die Netiquette eingehalten wird oder nicht, bleibt eine Frage der Abwägung, und die wird natürlich das eine oder andere Mal danebengehen, niemand ist fehlerlos. Schlimmer wird es jedoch, wenn gewisse sachliche Informationen systematisch unterdrückt werden.

Denn dies beschädigt etwas, was die Kommentare von Online-Zeitungen zu einer hochinteressanten Ergänzung der Artikel selbst machen: Zunehmend enthalten Kommentare Informationen, die in den Artikeln selbst fehlen. Ich kenne schon mehrere Leute, die die Kommentare oft für interessanter halten als die Artikel selbst, einfach weil sich dort die eigentlich interessanten Informationen und Links finden würden.

Solche sachlichen Korrekturen zuzulassen sollte eine Qualitätszeitung sich auf jeden Fall leisten können. Wo immer sie in den Kommentaren Informationen finden, die sich eigentlich im Artikel selbst hätten finden müssen, lernen auch die Journalisten hinzu. Das nächste Mal wird es bei ihnen nicht mehr vorkommen. Und der Leser gewinnt erst recht – selbst wenn die Journalisten in ihren Artikeln wichtige Informationen nicht bringen, werden die dann in den Kommentaren doch vorgebracht.

Dies wird aber zerstört, wenn inhaltlich zensiert wird, wenn Beiträge, seien sie auch noch so sachlich und informativ, mit Belegen und Links versehen, zensiert werden, nur weil der politische Standpunkt des Kommentators der Redaktion nicht genehm ist. In diesem Fall spielt die Moderation dann die verachtenswerte Rolle eines Zensors, der verhindern will, dass die Leser der Zeitung an bestimmte Informationen herankommen – und dies nicht deswegen, weil diese Informationen falsch sind, sondern weil sie nicht in die politische Linie der Zensoren passen.

Die Idee, zensierte Kommentare auf einem Blog zu veröffentlichen, schwebt schon länger durch die Gegend, und es wurde nun einfach mal Zeit, dies auch zu realisieren. Hat man diese Entscheidung einmal getroffen, ist es eine Frage des Zufalls, welche Zeitung es als erstes trifft. Wir beginnen daher mit der taz, nachdem dort ein durchaus diskussionswürdiger Artikel scheinbar ganz ohne Kommentar geblieben ist. Für die Kommentare zu diesem Artikel musste man halt einen Blog anlegen.

Die Prinzipien

Wir akzeptieren das Hausrecht der taz und ihre Netiquette. Veröffentlicht werden Kommentare, die nach Meinung des Betreibers dieses Blogs nicht gegen diese Netiquette verstoßen. Solche Kommentare sollten per email an lobov@safe-mail.net gesendet werden. Sie sollten folgendes enthalten: einen Link zum Artikel, zu dem der Kommentar geschrieben wurde, sowie den Text des Kommentars. Sollte der Kommentar eine Reaktion auf einen anderen Kommentar darstellen, so ist auch der Text des kommentierten Kommentars anzugeben.

Diejenigen, die ihren Kommentar unzensiert sahen, weil er erst später zensiert wurde, können gerne auch einen screenshot anhängen, ist aber nicht erforderlich.

Sollten es mal zu viele solcher Kommentare eingereicht werden, behalten wir uns vor, nur die krassesten Beispiele von politischer Zensur zu veröffentlichen – also die zensierten Kommentare, die am interessantesten, informativsten und wichtigsten als Zusatzsinformation zum Artikel selbst gewesen wären, und wo über das Fehlen eines Verstoßes gegen die Netiquette die wenigsten Zweifel bestehen.

Wie auch die Moderatoren, so müssen auch wir uns an bestehende Gesetze halten, wo Kommentare möglicherweise deswegen zensiert wurden, weil die Veröffentlichung die taz in rechtliche Schwierigkeiten bringen könnte, müssen wir auch passen – die taz kann sich bessere Rechtsanwälte leisten als wir.

Ansonsten geht es uns vor allem um die Fälle von Kommentarzensur, wo es nicht eine Frage der Abwägung ist, ob beleidigt wurde oder nicht, sondern wo inhaltliche, sachliche Informationen zensiert worden sind.

Wir hoffen, dass dieser Blog ein Misserfolg wird, weil die taz sich dazu entschließt, auf solche inhaltliche Zensur völlig zu verzichten. Dann bleibt uns mehr Zeit für andere Blogs, es gibt schließlich außer der taz noch andere Zeitungen.

Ansonsten informieren wir selbst die taz über jede Veröffentlichung auf diesem Blog durch eine mail an kommune@taz.de


1 Antwort auf „Willkommen“


  1. 1 K13online 04. Januar 2014 um 12:09 Uhr

    Die Einrichtung eines solchen Extra-Blogs zur medialen taz-Zensur ist sehr wichtig und leider notwendig geworden. Inzwischen habe auch ich die taz-Redaktion & Community per eMail angeschrieben. Die Inhalte können meinem News entnommen werden:

    http://krumme13.org/news.php?s=read&id=2701

    Bevor ich zu diesem Blog-Thema ein weiteres News publiziere, werde ich zuvor eine mögliche Antwort der taz abwarten.

    Es wird sicherlich seine Zeit brauchen, bis die taz-Kommentatoren den Weg nach hier finden, um ihre abgewiesenen Kommentare hier zu posten. Aber eine solche Möglichkeit besteht jetzt – und das ist schon viel Wert…

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