Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte II

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (6.01.2014) mit zwei Kommentaren einer einzigen Person.

Zensiert wurde eine Antwort zu einem ihrer Kommentare:

Die zensierte Antwort war die folgende:

@Angelika Oetken Was nach Gesetz schwerer Missbrauch ist und was von den Kindern als Missbrauch empfunden wird ist allerdings verschieden. Helweg-Larsen & Larsen 2006 fanden beispielsweise: Von 5829 dänischen Jugendlichen hatten 11% illegale sexuelle Erlebnisse, 7% der Jungs und 16% der Mädchen, aber nur 1% der Jungs und 4% der Mädchen fühlte sich „definitiv“ oder „möglicherweise“ sexuell missbraucht. (K. Helweg-Larsen, H.B. Larsen, The prevalence of unwanted and unlawful sexual experiences reported by Danish adolescents: results from a national youth survey in 2002, Acta Paediatrica 11/2006; 95(10):1270-6
http://onlinelibrary…589033/abstract )

Da fragt man sich wirklich, warum so etwas zensiert wird. Im wesentlichen eine Übersetzung des Abstrakts eines wissenschaftlichen Artikels, mit Verweis auf eine etablierte Wissenschaftsseite, die genau dafür da ist.

War sie vielleicht vom Kontext her völlig daneben? Im beantworteten Kommentar hieß es:


Die einzige prominente Grünen-Mitglied, das sich als Missbrauchsopfer geoutet hat, war im September 2012 Marieluise Beck. Im katholischen Führungskader gibt es bis heute offiziell kein einziges Missbrauchsopfer.

In einer Partei mit 60 000 Leuten in der Kartei, muss es aber mindestens 2000 Personen geben, die im Kindesalter sexuelle Attacken erlebt haben, die strafrechtlich als „schwer“ gelten. Und das sind nur die niedrigsten wissenschaftlich ermittelten Zahlen. Als „schwerer Missbrauch“ gilt das, was als „beischlafähnliche Handlungen“ gewertet wird. Diese Menschen waren als Kinder also „richtigem“ Sex ausgesetzt. …

Der Bezug der Antwort zu diesem Kommentar ist offensichtlich. Verwiesen wird auf eine wissenschaftliche Arbeit, die sich auf ähnliches bezieht: Einerseits Erlebnisse von illegalen sexuellen Handlungen, andererseits das persönliche Gefühl, missbraucht worden zu sein, und die Gruppe mit diesem Gefühl ist erheblich kleiner. Dies ist erklärt zumindest teilweise die Differenz, auf die im Kommentar hingewiesen wurde.

Offenbar sind Kommentare mit wissenschaftlichen Informationen nur dann in der taz erlaubt, wenn die wissenschaftlichen Ergebnisse selbst in die Ideologie der taz passen. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?