Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte III

Grüne Geschichtsverarbeitung: Anatomie einer fehlgeleiteten Debatte,
Marco Carini, vom 31. 12. 2013, bis jetzt (9.01.2014) mit vier Kommentaren

Nachdem eine erste Antwort an die ansonsten alleinige Kommentatorin, mit etwas Verspätung, doch noch publiziert, und prompt auch wieder von der ansonsten alleinigen Kommentatorin beantwortet wurde, sind zwei Tage vergangen ohne weitere Kommentare.

Nein, da war noch eine Antwort, vom 7.01., die bis jetzt noch nicht veröffentlicht wurde:

Sie drehen die Begriffe beliebig. Mal reden Sie von sexueller Misshandlung mal von Missbrauch, auch mal von Vergewaltigung. Das sind aber unterschiedliche Sachverhalte und Straftatbestände. Wer kann sich denn heute besser in die Lebenswelt von Kindern hineinversetzen als damals. Warum beachtet niemand die Leute, die so wie ich, als Junge gewollten Sex erlebt und genossen haben. Schon im Alter von ca. 8-9 Jahren. Wer beachtet meine Lebenswelt als Kind? Warum soll Kindern nur geglaubt werden, wenn sie unter Sexualität gelitten haben und nicht wenn sie sie genossen haben?

Bei den Glaubwürdigkeitsgutachten (Link zur Ärztezeitung) ging es um die Glaubwürdigkeit von OPFERN, die Entschädigung beantragt haben – nicht um Beschuldigte einer Straftat. Lesen Sie mal richtig!

Sicher, diese Antwort ist vielleicht nicht so besonders zurückhaltend formuliert, er enthält ganz explizit Vorwürfe. Aber, wenn diese sachlich berechtigt sind, warum nicht? Die Kommentatorin verwendet in der Tat „Kindesmissbrauch“, welches nach Gesetz auch von Kindern gewollten Sex beinhaltet, und im selben Text „sexuelle Misshandlung“ sowie „pädosexuelle Übergriffe“, welche in der gewöhnlichen Bedeutung Gewalt oder Nötigung implizieren. Für Menschen wie den Autor, der selbst als Kind solchen Sex gewollt hat, ist dies natürlich etwas, worin er einen Grund für einen Vorwurf sehen kann.

Auch die Frage danach, wann man sich in die Lebenswelt von Kindern besser hat hineinversetzen können, ist gerechtfertigt.

… dass bei Teilen der damaligen Gesellschaft etwas fehlte. Nämlich die Fähigkeit, sich in die Lebenswelt von Kindern hineinzuversetzen …

suggeriert schließlich, dass wir das heute besser könnten, während die Welt heute unfähig zu sein scheint, sich in solche Kinder wie der Kommentator eins war überhaupt hineinzuversetzen.

Auch die harte Aufforderung „Lesen Sie mal richtig!“ ist nachvollziehbar, angesichts der Tatsache, dass durch

…Was Glaubhaftigkeitsgutachten angeht: … so sollten in Prozessen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs auch die Angeklagten gerichtsgutachterlich hinsichtlich der Plausibilität ihrer Angaben begutachtet werden….

suggeriert wurde, es ginge um die Glaubwürdigkeit von Angeklagten in Prozessen. Im zuvor vom zensierten Kommentator zitierten Beitrag http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/?sid=843063 ging es jedoch um die Glaubwürdigkeit von Opfern. Kann jeder dort nachlesen.

Also auch hier wurde nach meiner Einschätzung angemessen auf einen Kommentar geantwortet.